Patient hält Smartphone mit Medikamenten-Adhärenz-App in klinischer Umgebung
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Companion Apps in der Pharmaindustrie: Wie digitale Begleiter Therapietreue steigern und Wert schaffen

Rund 50 % der Patienten mit chronischen Erkrankungen nehmen ihre Medikamente nicht wie verordnet ein. Companion Apps adressieren dieses Problem und schaffen gleichzeitig Wert für Patienten, Erstatter und Pharmaunternehmen.

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Rund 50 % der Patienten mit chronischen Erkrankungen nehmen ihre Medikamente nicht wie verordnet ein. Diese Zahl stammt aus einem WHO-Bericht von 2003 und hat bis heute Gültigkeit. Die Folgekosten sind erheblich: In England entstehen jährlich Kosten von über 930 Millionen Pfund durch mangelnde Therapietreue, in den USA werden die Kosten auf 100 bis 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt.

Companion Apps, also digitale Begleitanwendungen zu einem Medikament oder einer Therapie, bieten einen strukturierten Ansatz, um dieses Problem zu lösen. Sie begleiten Patienten über den gesamten Behandlungsverlauf: von der Diagnose über die Therapieeinleitung bis zur langfristigen Einnahmetreue. Gleichzeitig schaffen sie Wert für alle Beteiligten im Gesundheitssystem.

Was ist eine Companion App?

Eine Companion App ist eine digitale Gesundheitsanwendung, die eine pharmakologische Therapie ergänzt. Sie kann therapiespezifisch sein, also ausschließlich für Patienten eines bestimmten Medikaments, oder krankheitsspezifisch und damit unabhängig von der gewählten Therapie. Typische Funktionen umfassen Einnahmeerinnerungen, Symptomtracking, Edukationsinhalte, Kommunikation mit dem Behandlungsteam und die Erfassung von Real-World-Daten.

Der globale Markt für Disease-Management-Apps wurde 2022 auf 7,6 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2032 auf rund 20 Milliarden US-Dollar wachsen.

Evidenz: Was die Wissenschaft sagt

Die Wirksamkeit von App-basierten Adhärenzinterventionen ist wissenschaftlich belegt. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, veröffentlicht im BMJ Open (Armitage et al., 2020), analysierte neun randomisierte kontrollierte Studien mit 1.159 Teilnehmern. Das Ergebnis: Patienten, die eine Adhärenz-App nutzten, berichteten signifikant häufiger über Therapietreue als die Kontrollgruppen (OR 2,12; 95 % KI 1,64 bis 2,75).

Eine weitere Meta-Analyse im Journal of Managed Care & Pharmacy (Peng et al., 2020) bestätigt diesen Effekt über verschiedene Indikationen hinweg. Die Studien zeigen, dass Verhaltensänderungstechniken wie Erinnerungen, Selbstmonitoring und Feedback die Kernmechanismen für den Adhärenzeffekt sind.

Wert für Patienten

Für Patienten bedeutet höhere Therapietreue in erster Linie bessere klinische Ergebnisse. Companion Apps unterstützen dabei auf mehreren Ebenen: automatische Einnahmeerinnerungen, Symptomtracking mit Berichten für Arztgespräche, Edukationsinhalte zur Erkrankung und Therapie sowie eine kontinuierliche Verbindung zum Behandlungsteam zwischen den Konsultationen.

Ein konkretes Beispiel liefert ein Onkologie-Programm des Unternehmens RxPx: Bei einer oralen Krebstherapie, bei der klinische Studien eine 50-prozentige Abbruchrate innerhalb der ersten acht Wochen gezeigt hatten, verblieben 97 % der App-Nutzer mindestens 90 Tage in der Anwendung. Der Branchendurchschnitt liegt bei 31 %. Nach einem Jahr waren noch 70 % aktiv, gegenüber 18 % im Branchendurchschnitt.

Wert für Erstatter

Für Krankenversicherungen ist Therapietreue ein zentraler Hebel zur Kostensenkung. Nicht eingehaltene Therapien führen zu vermeidbaren Krankenhausaufenthalten, Komplikationen und Folgebehandlungen. Eine Studie schätzt, dass App-basierte Technologie in England allein durch die Entlastung von Allgemeinmedizinern und verbesserte Medikamenteneinnahme 7,5 Milliarden Pfund einsparen könnte.

Companion Apps liefern zudem Real-World-Daten, die für Health Technology Assessments und Erstattungsverhandlungen genutzt werden können. Sie dokumentieren, wie Patienten ein Medikament im Alltag einsetzen, und schaffen damit eine Evidenzbasis, die klinische Studien allein nicht liefern können.

Wert für Pharmaunternehmen

Für Pharmaunternehmen bieten Companion Apps vier strategische Hebel. Erstens ermöglichen Apps die Identifikation geeigneter Patienten und reduzieren Hürden bei der Therapieeinleitung. Zweitens steigert verbesserte Adhärenz das Umsatzvolumen je nach Indikation um 3 bis 20 % (Deloitte, 2021). Drittens erleichtern Apps dezentralisierte Studiendesigns und senken Rekrutierungskosten, die bis zu 32 % der Gesamtkosten klinischer Studien ausmachen. Viertens kann eine therapiespezifische Companion App als Kombinationsprodukt klassifiziert werden und damit die Marktexklusivität verlängern.

Das Beispiel mySugr

mySugr, 2012 in Wien gegründet und 2017 von Roche übernommen, ist eine der bekanntesten Companion Apps im Diabetesbereich. Die App ermöglicht die Erfassung von Blutzuckerwerten, Mahlzeiten, Insulindosen und körperlicher Aktivität. Sie ist in über 150 Ländern verfügbar und hat mehr als 4 Millionen Nutzer.

Eine randomisierte kontrollierte Studie (Singh et al., 2025, Primary Care Diabetes) zeigt, dass die mySugr-App das Engagement der Patienten mit ihrer Therapie erhöht. Eine weitere Studie (Cuixart et al., 2025, Hormones) bestätigt positive Effekte auf glukosebezogene Parameter bei Typ-2-Diabetes in Kombination mit Telekonsultationen. Das Beispiel zeigt, wie eine Companion App über den reinen Adhärenzaspekt hinausgehen und zu einem zentralen Element des Therapiemanagements werden kann.

Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Companion Apps entfalten ihr Potenzial nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Merck KGaA identifiziert in einer Analyse fünf zentrale Barrieren: die Abhängigkeit von der Empfehlung durch Ärzte, schlechte Nutzererfahrung, fehlende Interoperabilität mit bestehenden IT-Systemen, Bedenken hinsichtlich der Arzt-Patienten-Beziehung und mangelndes Patientenengagement.

Erfolgreiche Companion Apps zeichnen sich durch frühzeitige Einbindung von Patienten in den Entwicklungsprozess, klare klinische Evidenz, nahtlose Integration in bestehende Versorgungspfade und ein nachhaltiges Geschäftsmodell aus.

Fazit

Companion Apps sind kein Zusatz, sondern ein strategisches Instrument. Sie verbessern klinische Ergebnisse für Patienten, senken Kosten für Erstatter und steigern den Wert pharmakologischer Therapien für Hersteller. Die wissenschaftliche Evidenz ist vorhanden. Die technologischen Voraussetzungen sind gegeben. Die entscheidende Frage ist, ob Pharmaunternehmen bereit sind, die notwendigen Investitionen in Nutzerzentrierung, klinische Validierung und Marktintegration zu tätigen.

Quellen: Armitage LC et al.: Do mobile device apps designed to support medication adherence demonstrate efficacy? BMJ Open, 2020. RxPx: Oncology Adherence Program Case Study, 2024. Merck KGaA: Companion Apps in Healthcare, 2024. Alex Therapeutics: The Business Case for Pharma Investing in Digital Companions, 2024. Deloitte: Importance of Personalized Therapies, 2021.

PS

Dr. Patrik Scholler

Berater für Digital Health, Life Sciences und Managed Delivery

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